Seit Hundert Jahren karg und kalt,
trotzt dieses Volk der Naturgewalt.
Ob Frost im Mai, ob Hagelschlag,
der Eifler kennt kein Wehklagen oder Klag'.
Wo andre schon den Untergang sehn,
bleibt er ganz ruhig im Sturme stehn.
Das Schicksal schlägt hier heftig zu,
doch raubt es ihm nicht seine Ruh.
Er hat die Härte von dem Land
schon tief im eigenen Blut verwandt.
Was reißt und bricht, das baut er auf,
so ist nun mal der Zeiten Lauf.
Kein Jammern hilft, kein lauter Schrei,
am Ende geht auch das vorbei.
Man nimmt den Regen, wie er fällt,
weil Schimpfen nicht den Himmel hellt.
Ein tiefer Schluck, der Ärmel hoch,
die Welt geht unter – und er ackert noch
Vom Schieferfels und Nebelwind,
wächst hier ein ganz besondres Kind.
Der Eifler, aus dem Stein gehauen,
lernt früh, dem Fremden nicht zu trauen.
Er steht im Wald, die Jacke nass,
hasst weiche Worte, Schickimicki-Quatsch.
Sein Gruß ist kurz, ein dumpfer Ton,
ein Nicken reicht als Antwort schon.
Wer hier nach Komplimenten fleht,
der merkt, wie kalt der Nordwind weht.
Ein „Kann man essen“ aus dem Mund,
gilt hier als Lob für Geist und Hund.
Das Holz vorm Haus steht schnurgerade,
wer schlampig stapelt, kriegt die Strafe:
Das ganze Dorf schaut schweigend zu,
und lässt dir fortan keine Ruh.
Sein Werkzeug leiht er niemals aus,
da hört die Freundschaft auf im Haus.
Und droht der Sturm, bricht das Gesetz,
läuft Wasser durch das Kellernetz,
dann jammert er nicht weinerlich,
er flucht auch nicht erbärmlichlich.
Er spuckt nur aus und packt es an:
„Tja, machste nix, wir müssen ran.“
Zwar wirkt er dreckig, stur und rau,
und nimmt es mit dem Ton nicht ganz genau,
doch brennt dein Dach, bist du in Not,
teilt er mit dir sein letztes Brot.
Ein Herz wie Erz, das selten spricht,
doch bricht ein Eifler sein Versprechen nicht.
Das dicke Ende, wenn die Not regiert,
wird in der Eifel stumm pariert.
Wenn Sturmgewalt das Dach zerreißt,
das Wasser in den Keller schießt,
wenn tief im Schlamm der Traktor steckt
und alles ringsum Dreck bezweckt –
dann weint er nicht, er läuft nicht weg,
er steht nur da am selben Fleck.
Die Hände tief im Hosensack,
schaut er sich an das Packepack.
Er spuckt nur aus, der Blick ist leer,
als ob da gar kein Unglück wär,
guckt in das Elend, ganz fatal,
und sagt mit Stimme, rau wie Stahl:
„Tja. Machste nix. Hol die Kettensäge raus.“
Und damit ist das Drama aus.