Aduatuca – Das Lied der Legion
Links… rechts…
Der Tritt schlägt Staub aus hartem Grund.
Kein Mann verlässt die Reihe,
kein Schild verlässt den Bund.
Wir kamen weit aus warmem Land,
mit Eisen, Adler, Schwert in Hand.
Die Straßen führten immer fort,
bis in den kalten Norden dort.
Der Regen fraß sich durchs Gewand,
der Lehm klebte an jedem Sand.
Kein Weinberg wuchs an diesem Hang,
nur Wälder, tief und tagelang.
Die Männer schwiegen auf dem Marsch,
nur Hörner brachen durch den Harz.
Das Leder knackte bei jedem Schritt,
und jede Meile nahm Kraft mit.
Man sagte uns:
“Dort vorne liegt
ein Platz, der über Wege siegt.
Ein Lager stark, mit festem Wall,
ein guter Schutz für jeden Fall.”
Man nannte ihn Aduatuca.
Doch keiner zeigte, wo er war.
Nur Boten deuteten nach vorn,
zwischen Nebel, Wald und Korn.
Wir bauten Brücken über Flüsse,
mit Händen voller Erde, Schweiß und Risse.
Die Äxte fielen Schlag für Schlag,
bis jeder Stamm am Boden lag.
Wir trugen Holz auf unseren Rücken,
für Türme, Tore und Palisadenstücken.
Ein Lager wächst nicht durch Befehle,
es wächst durch tausend schwielige Hände.
Der Adler glänzte überm Feld,
als wäre Rom die ganze Welt.
Doch hinter jedem dunklen Baum
begann ein unbekannter Raum.
Wir sahen Rauch auf fernen Höhen,
doch niemand war dort klar zu sehen.
Nur manchmal blitzte kurz ein Schild,
dann war der Wald schon wieder still.
Die Kelten kannten jeden Pfad,
jeden Bach und jeden Grat.
Sie kämpften nicht nach unserm Maß,
doch jeder wusste, was er las.
Sie kamen schnell und gingen fort,
verschwanden lautlos von dem Ort.
Der Wald war ihnen treuer Freund,
während der Römer offen scheint.
Dann kam ein Tag voll Angst und Hast,
der Himmel hing wie nasser Ast.
Die Hörner riefen Mann für Mann,
doch keiner wusste, was begann.
Die Schilde schlossen sich zur Wand,
das Pilum fest in jeder Hand.
Man hörte Schreie durch den Wind,
als ob die Wälder lebendig sind.
Wir hielten Stand so gut es ging,
bis Stahl auf Stahl zu singen fing.
Der Boden trank von beiden Blut,
und keiner sprach noch von dem Mut.
Die Nacht verschlang den letzten Klang,
nur Regen fiel den Wall entlang.
Der Adler blieb im Sturm allein,
sein Gold verlor den hellen Schein.
Noch heute sucht man diesen Platz,
mal dort am Berg, mal dort im Tal.
War es ein Lager?
War es ein Wall?
Oder etwas ganz anderes einmal?
Vielleicht ruht unter Eifeler Boden,
was Legionäre einst beladen.
Vielleicht liegt dort noch Schild an Schild,
verborgen tief im dunklen Bild.
Wir gingen heim.
Nicht jeder Mann.
Mancher blieb,
weil keiner ihn mehr holen kann.
Doch jeder Schritt, den Rom einst ging,
hallt irgendwo noch leise hin.
Und wenn der Marsch im Takt erklingt,
erinnert sich der Wind daran.
Links… rechts…
Der Adler zieht längst nicht mehr fort.
Geblieben ist bis heute nur
die Frage nach dem wahren Ort.