Die Zwerge der Eifel
Es zog ein Knabe einst allein
durch Fels und Schlucht, durch Feld und Rain.
Der Tag war heiß, der Weg war weit,
kein Mensch zu sehn weit und breit.
Da hörte er aus tiefem Grund
ein Hämmern rings zur selben Stund.
Kein Schmied war dort, kein Haus, kein Herd,
nur grauer Fels und Heideerd.
Er lauscht und steigt den Hang hinab,
wo sich ein dunkler Spalt auftat.
Dort glimmt ein Licht so rot und klein
tief unten aus dem Berggestein.
Und wie er durch die Öffnung blickt,
steht er vor Staunen ganz entrückt.
Denn kleine Männer, kaum ein Kind,
arbeiten dort geschwind, geschwind.
Sie schlagen Erz aus hartem Stein,
bei mattem Schein der Grubenlein.
Der eine bohrt, der andre trägt,
bis jeder Felsblock sich bewegt.
Der Knabe reicht, was nötig scheint,
und hilft den kleinen Bergwerksleut’.
Kein Wort wird viel dabei gesagt,
nur still geschafft vom frühen Tag.
Als endlich sich der Abend neigt
und fern der erste Stern aufsteigt,
da tritt der Älteste hervor
und spricht zu ihm ein leises Wort:
„Wer hilft, obwohl ihn keiner sieht,
wer Gutes tut und weiterzieht,
dem fehlt es selten auf der Welt,
auch wenn er nicht nach Reichtum gellt.“
Er legt ein Säckchen in die Hand
und verschwindet gleich an der Wand.
Der Knabe lacht und denkt dabei:
„Ein Steinchen mehr, was soll’s schon sei.“
Doch als er heim die Schwelle fand,
da glänzt es hell in seiner Hand.
Aus jedem Kiesel, grau und klein,
ward pures Silber, klar und rein.
Die Kunde flog von Ort zu Ort,
von jedem Hof zum nächsten fort.
Und bald erschien ein andrer Mann,
der nur an Gold noch denken kann.
Er sucht den Berg bei Nacht und Wind,
bis er den gleichen Eingang find’t.
Doch statt zu helfen ruft er laut:
„Nun zeigt den Schatz, den ihr hier staut!“
Da schweigt der Schlag im tiefen Schacht,
kein Lichtlein glimmt in schwarzer Nacht.
Der Berg verschließt mit hartem Sinn
den Weg zu seinem Innern hin.
Der Mann irrt um bis Morgengrau’n
und muss beschämt nach Hause schau’n.
Kein Gold, kein Silber wird ihm zuteil,
nur Spott begleitet ihn ein Weil’.
So geht die Sage bis heut fort
von Dorf zu Dorf, von Ort zu Ort.
Denn mehr als Gold und Edelstein
kann oft ein gutes Herz wohl sein.