Es zog einst ein Händler wohl durch das Land,
mit Waren beladen bis an den Rand.
Von Köln nach Trier war sein Begehr,
doch die Eifel machte ihm das Leben schwer.
Kaum hatte sein Wagen den Berg erklommen,
war schon die erste Burg erschienen.
Ein Ritter trat vor mit ernstem Gesicht:
„Durchgangssteuer!“ – mehr sagte er nicht.
„Für welchen Zweck?“ sprach der Kaufmann frei.
„Für die Straße.“ – „Wo ist sie denn dabei?“
Da zeigte der Ritter auf Schlamm und Stein:
„Sie könnte hier irgendwann einmal sein.“
So zahlte der Händler und zog weiter fort,
doch dieselbe Geschichte geschah an jedem Ort.
An jedem Bach, an jedem Tor,
trat schon der nächste Zöllner hervor.
Da trennt sich die Spreu vom Weizen,
so sprach der Händler voller Pein.
Nicht zwischen Gut und Böse allein,
auch zwischen Straßen und bloßem Schein.
Ein Graf verlangte Silber und Gold,
ein anderer sprach: „Das ist unser Zoll.“
Ein dritter erhob auf dieselbe Fracht
noch einmal die Abgabe mitten in der Nacht.
Sie nannten es Schutz für Land und Weg,
doch keiner sah je, wohin das Geld sich bewegt.
Die Räder versanken bis tief in den Dreck,
die Pferde verloren den letzten Zweck.
Der Regen fiel und der Wind pfiff kalt,
die Wälder wurden dunkel und alt.
Doch jede Burg auf felsiger Höh’
sprach freundlich: „Bezahlt, bevor ich geh’.“
Nach sieben Tagen war ein Pferd verschwunden,
nach zehn Tagen die besten Kunden.
Nach zwölf Tagen fehlte der warme Rock,
verpfändet für den nächsten Zollstock.
Der Händler lachte schon über sein Leid,
denn Wut war längst der Müdigkeit geweiht.
Er sprach: „Wenn das so weitergeht,
bin ich bald selbst das Zollobjekt.“
Da trat ein Burgherr würdevoll hervor:
„Was führt Ihr noch mit Euch durchs Tor?“
Der Händler verbeugte sich ziemlich krumm:
„Eigentlich nur mich selbst noch herum.“
Der Herr sprach ernst: „Das trifft sich fein,
auch dafür könnte Abgabe sein.“
Da hob der Kaufmann den Blick zum Licht:
„Wundert mich ehrlich gesagt nicht.“
Da trennt sich die Spreu vom Weizen,
so dachte er still bei sich allein.
Man kennt die Grenzen dieser Gaue nicht,
doch jeder kennt den Kassenschein.
Endlich erreichte er Trier am Fluss,
erschöpft von manchem unfreiwilligen Genuss.
Der Stadtschreiber fragte mit frohem Gesicht:
„Nun sagt, wie war die Reise für Euch, spricht?“
Der Händler schwieg und sann kurz nach,
bevor ein trockenes Lächeln durchbrach.
„Die Eifel ist herrlich, das muss man gestehn,
ich würde die Berge sofort wieder sehn.
Doch eines hab ich auf der Reise gelernt:
Von meinem Geld hielt man mich erfolgreich fern.“
„Und wie sind die Straßen?“ fragte der Mann.
Da lachte der Händler, so laut er nur kann:
„Von denen hab ich viel gehört unterwegs,
doch gesehen hab ich keine –
nicht ein einziges Stück des Wegs.“