Es rauscht der Wald bei stillem Gang,
der Abend sinkt die Höhen nieder,
und mancher Freund beim Becherklang
erhebt die Treue immer wieder.
Wie leicht das Wort die Lippe schmückt,
solang die Sonne Felder küsset,
solang das Glück die Stunde ziert
und keine Sorge Herzen trübet.
Doch wenn des Schicksals rauhe Hand
die bunten Schleier niederreißet,
wenn Gram und Not durch Haus und Land
mit kaltem Finger Zeichen weiset,
dann schweigt gar mancher muntre Mund,
der eben noch von Freundschaft sprach,
und mancher Stern zur Abendstund’
sinkt schneller als man je gedacht.
Allein zu stehen dünkt mich nicht,
denn lang schon war dies mein Gefährte.
Wer oft im Schatten gehen muss,
lernt früh den Wert der eignen Fährte.
Da trennt sich Spreu vom goldnen Korn,
vom Winde auseinandergetragen.
Der Halm, der gestern prächtig stand,
liegt heute schon vom Sturm erschlagen.
Nicht Eid noch Schwur entscheidet hier,
nicht Lobgesang noch laute Worte.
Der Mensch verrät sich selbst genug
an seines Herzens stiller Pforte.
Da trennt sich Spreu vom goldnen Korn,
wenn keiner schaut und keiner richtet.
Dann wird das Wahre offenbar,
das sich im Alltag gern vernichtet.
Und oft bleibt jener aufrecht stehn,
den viele mieden, viele schalten,
während die Helden ihrer Zeit
wie welke Blätter niederfalten.
So hab ich’s oft genug gesehn
auf allen Straßen meiner Tage:
Der Mensch erkennt den Menschen erst,
wenn ihn das Leben ernsthaft frage.