...
Samstag, rote Sonne,
Asphalt flimmert heiß,
vierzig Tonnen schwarzer Stahl,
Diesel brüllt wie Eis.
Rückwärts an die Laderampe ran,
Spiegel links und Spiegel rechts —
ein Fehler kostet Glück.
Dann drei Schatten hinterm Trailer,
Pärchen, Kind dabei.
Toter Winkel, letzter Meter —
plötzlich seh ich sie.
Fuß aufs Eisen, Reifen schreien,
Stille auf dem Hof.
Ich spring raus und brüll sie an:
„Seid ihr eigentlich nur Bekloppt?“
„Tolles Vorbild für die Kleinen,
was ihr euren Kindern zeigt.
Wenn ein Vierzigtonner rückwärts rollt,
ist Schluss mit lustig, Leute!“
Doch die Eltern grinsen bloß,
als wär das alles Spaß.
Der Kleine schaut mich frech an,
kein bisschen Angst im Glas.
Kaum vier, vielleicht schon fünf,
Dreck klebt an seinem Schuh.
Dann ruft er:
„Halt doch deine Fresse,
du böser alter Mann!“
Die Eltern lachen lauter,
finden den Spruch ganz toll.
Ich seh den Kleinen an und denk:
„Na, das kann ja was werden.“
[CHORUS:]
Böser alter Mann,
mit Diesel in der Brust.
Nenn mich, was du willst,
ich weiß, wann ich bremsen muss.
Böser alter Mann,
hart wie Stahl und Dreck —
lieber bin ich heute böse,
als dass ich morgen
euer Kind unterm Reifen wiederseh.
Ich geh runter auf ein Knie:
„Kleiner, sag mir mal,
wie kommen all die Sachen
in den Laden nebenan?“
Er kratzt sich an der Stirn
und sagt ganz unbekümmert:
„Meine Eltern sagen,
das wächst halt dort im Laden.“
Ich muss kurz lachen,
denn verdammt, das war zu gut.
Dann seh ich seine Eltern an
und sag ganz trocken:
„Na dann hast du aber
ziemlich dumme Eltern.
Denn Brot wächst nicht im Regal
und Milch nicht in den Kühlregal.“
Die Ware kommt aus Fabriken,
aus Feldern, Schiffen, Bahn.
Und manchmal sitzt ein Trucker drin,
der sie euch bringen kann.
Vierzig Tonnen, schwarze Reifen,
rollen weiter durch die Nacht.
Ich hab kein sanftes Maul,
doch ich hab die Bremse gemacht.
[CHORUS:]
Böser alter Mann,
mit Diesel in der Brust.
Nenn mich, was du willst,
ich weiß, wann bremsen muss.
Böser alter Mann,
ich kann mit eurem Grinsen leben.
Denn lieber bin ich unbeliebt,
als einem Kind den letzten Atem zu nehmen.
Also nennt mich ruhig den Teufel,
wenn euch meine Wahrheit stört.
Ich fahr lieber böse nach Hause,
als dass ein Kreuz am Straßenrand mir gehört.
Vierzig Tonnen Wahrheit —
mehr braucht’s manchmal nicht.
Denn Stahl kennt keine Märchen
und ein toter Winkel
kennt kein Gesicht.
...