Eifler Bardenlied
[Leise Dudelsäcke, Wind über den Höhen der Eifel]
Damals, als die Wälder dunkler waren,
und Nebel tief in Felsenschluchten lagen,
als Wölfe heulten unter kahlen Eichen
und Geier kreisten über alten Steinen,
da stand auf schwarzem Felsen hoch und stumm
die Stolzenburg im kalten Abenddunst.
Graue Türme ragten aus den Klippen,
vom Sturm zerfressen, hart wie Eisenstein,
und unten in den Tälern lebten Bauern,
gebeugt von Frondienst, Hunger, Angst und Pein.
Graf Stolzenburg herrschte ohne Gnade,
sein Jägerheer zog wild durchs Eifelland,
und was der arme Landmann mühsam säte,
verschwand durch seine harte Räuberhand.
Hook
Oh Stolzenburg hoch überm Tal,
dein Schatten fiel auf Mensch und Mahl.
Die Eifel schwieg im kalten Wind,
bis Gottes Zorn durchs Dunkel dringt.
Heya hoh… durch Sturm und Nacht,
die alte Sage weiter wacht.
Ein Wandersmann zog einst durch dunkle Wälder,
erschöpft vom Regen und vom langen Weg,
sein Mantel hing voll Schlamm und Dornenzweigen,
der kalte Wind fuhr schneidend durchs Geäst.
Er sprach am Tor der finsteren Gemäuer:
„Gebt mir ein Lager nur für eine Nacht,
ein Stückchen Brot, ein Feuer gegen Kälte,
bis überm Berg der neue Morgen lacht.“
Doch oben lachten höhnisch Stolzenburgs Knechte,
die Hunde stürzten bellend auf ihn ein,
sie jagten ihn durch Schlamm und nasse Steine,
bis Blut im Regen rann vom armen Bein.
Da hob der Fremde still den Blick gen Himmel
und sprach mit Stimme schwer wie Donnerschlag:
„Wer keinen Funken Mitleid mehr im Herzen,
der soll vergehen noch vor nächstem Tag.“
[Dumpfer Trommelschlag, Wind wird stärker]
Zur Geisterstunde bebte tief der Felsen,
aus schwarzen Klüften brach ein Feuermeer,
ein Ungeheuer schrie aus dunklen Spalten,
der Sturm peitschte die Tannen ringsumher.
Die Hunde flohen winselnd vor den Mauern,
die Knechte schrien in wilder Todesnot,
und donnernd brachen Felsen aus den Höhen,
der ganze Berg geriet in Glut und Rot.
Da stürzte mit gewaltigem Krachen
die Stolzenburg hinab ins dunkle Tal,
mit Graf und Rossen, Dienern, wilden Hunden,
verschlungen von des Berges letztem Mahl.
Nur Staub und Nebel lagen überm Abgrund,
wo einst die grauen Türme stolz gestanden,
und niemand fand je wieder ihre Mauern,
die tief im Schoß der Eifelberge sanken.
Hook
Oh Stolzenburg hoch überm Tal,
dein Schatten fiel auf Mensch und Mahl.
Die Eifel schwieg im kalten Wind,
bis Gottes Zorn durchs Dunkel dringt.
Heya hoh… durch Sturm und Nacht,
die alte Sage weiter wacht.
Noch heute reden alte Eifler leise,
wenn Nebel schwer durch dunkle Wälder zieht,
vom Höllenhund, der tief im Berg noch wache hält,
bis Stolzenburg einst wieder aufersteht.
Und wenn der Sturm nachts über Felsen heulet
und fern ein dumpfes Grollen niederhallt,
dann sagen sie bei Bier und alten Liedern:
„Die Sage lebt noch immer durch den Wald.“
[Langsames Ausklingen, Wind, Dudelsack, ferne Glocke]