Des Wikingers Gericht
Der Nordwind heult, die Brandung kracht,
Ein Krieger kehrt heim aus der Schlacht.
Mit Axt und Schild, ein Riese von Mann,
Der Ströme von Blut vergießen kann.
Sein Bart ist wild, seine Muskeln wie Stein,
Er lehrt selbst den härtesten Sachsen das Spei'n.
Doch kaum steht er hungrig im eigenen Haus,
Ist’s vorbei mit dem Stolz und dem wilden Applaus.
Denn dort steht Walburga, das Nudelholz schwingend,
Und schaut ihn commandschnittig, finster durchdringend.
„Wo treibst du dich schon wieder rum?
Wollte doch, du leckst mein Prumm!
Jetzt stinkt dein Bart nach fremdem Met,
Weiß ja, wo’s Richtung Stall heut geht!“
Der Hüne, der eben noch Drachenboote lenkte,
Und feindliche Flotten im Alleingang versenkte,
Wird plötzlich ganz klein, schaut betreten zu Boden,
Vergessen sind Ehre und Siege und Oden.
Er stottert und stammelt, der mächtige Bär,
Als ob er ein schüchterner Knabe bloß wär.
„Mein Herzblatt“, so wimmert der Riese voll Schreck,
„Der Met war ein Geschenk… und ich musste schnell weg!“
Doch Walburga schnaubt nur, zeigt Richtung Tür:
„Für Feigheit und Saufen gibt's kein Mitleid von mir!
Die Axt bleibt draußen, das Schild an die Wand,
Wer hier das Sagen hat, ist wohl bekannt!“
So sieht man den furchtlosesten aller Skalden,
Heut Nacht bei den Schweinen im Strohe walten.
Denn die Moral von der Wikinger-Saga zeigt klar:
Der Mann war der Krieger, doch die Frau war der Zar.
Er schleicht in die Ecke, das Haupt tief gebeugt,
Wo sonst nur das Vieh seine Köttel erzeugt.
Der Held von Methorn und Plünderungszug,
Kriegt von der Kälte im Stroh nun genug.
Da nützt kein Verstecken, kein Jammern und Flehn,
Er muss bei den Ochsen zur Ruhe nun gehn.
Walburga schaut grinsend vom Fenster herab,
Und winkt dem Titanen im Dunkeln noch ab:
„Morgen früh um halb sechse wird die Mistgabel geschwungen,
Da wird nicht gesoffen und keine Hymne gesungen!“
So liegt er nun da, hält die Klappe ganz brav,
Der schreckliche Wikinger lallt sich in Schlaf.