Ich frag mich an manchen Tagen –
vor allem dann, wenn ich Kommentare lese wie:
„Gute Besserung auch an den Menschen, der das Auto fuhr.“
In solchen Momenten brodelt es in mir.
Was für gute Besserung?
Der Mensch lebt ja leider noch.
Und es war sein Fehler,
der uns jemanden genommen hat.
Ich hoffe in diesen Momenten,
dass dieser Mensch nie wieder in ein Auto steigt.
Dass sein Leben nicht mehr froh wird.
Wie kann es sein,
dass dieser Mensch
sein Buch weiterschreiben darf,
während unseres einfach
zugeklappt wurde?
Es ist so unfassbar unfair.
Wieso musste mein Schwiegervater
für den Fehler eines anderen bezahlen?
Ich frage mich manchmal:
Was macht dieser Mensch gerade?
Lacht er?
Geht er spazieren?
Liest er ein Buch?
Fährt er wieder Auto?
Und wenn ich laut frage,
kommt oft:
„Der Mensch wird sein Leben nicht mehr glücklich.“
Aber ich kann das nicht glauben.
Denn wenn er so ein Mensch wäre,
dann hätte er anders gehandelt.
Wäre vorsichtiger gewesen.
Hätte auf die Schilder geachtet.
Hätte nur eine einzige Sekunde gedacht:
„Wenn ich einen Fehler mache,
könnte ich ein Leben auf dem Gewissen haben.“
Aber er dachte nicht so.
Also warum sollte er jetzt fühlen?
Warum sollte er plötzlich Gewissen haben,
wenn er es vorher nicht hatte?
Es ist nicht weit weg,
dass er wieder ins Auto steigt.
Es ist nicht weit weg,
dass er einfach weitermacht.
Und dann hört man:
Er erinnert sich an nichts mehr.
Nichts vom Unfall.
Das macht mich
fassungslos
und
unendlich wütend.
Weißt du wirklich nichts mehr?
Oder schützt du nur deinen Arsch,
der sonst vielleicht im Knast landet?
Wie kannst du damit leben,
vielleicht entscheidende Antworten zurückzuhalten?
Wie kannst du der Familie eine Erklärung verweigern?
Ein Wort. Ein Satz. Etwas.
Wie kannst du charakterlich
so wenig Rückgrat zeigen?
Ich verstehe es nicht.
Aber ich weiß eins:
Zu jedem Fehler gehört,
dass man zu ihm steht.
Ich hätte das Bedürfnis,
mich zu erklären.
Mich zu entschuldigen.
Auch wenn es nichts rückgängig macht.
Aber es wäre menschlich.
Hast du überhaupt ein Gewissen?
Solche Gedanken…
sie lassen mich oft zweifeln –
am Verstand der Menschen.
An ihrer Verantwortung.
An ihrer Aufrichtigkeit.
Denn am Ende retten
alle nur sich selbst.
Wo ist die Fairness?
Fakt ist:
Du hast einen Fehler gemacht.
Die Strafe wird kommen.
Und wenn du das weißt –
dann steh dazu.
Sei Mensch.
Hab Rückgrat.
Zeig, dass du wenigstens das noch kannst.
Manchmal würde ich gerne wissen, wer du bist.
Und im nächsten Moment hoffe ich,
dass ich es nie erfahre.
Manchmal frage ich mich,
ob du grade lachst.
Ob deine Welt okay ist,
während unsere in Scherben liegt.
Und manchmal frage ich mich,
ob ich dir schon begegnet bin.
Hoffentlich nicht.
Manchmal sehe ich Menschen
und frage mich,
ob sie zu dir gehören.
So vieles beschäftigt mich.
Aber weißt du was?
Das Letzte, was mich interessiert,
ist, ob es dir gut geht.
Ich verachte dich!