Der Letzte Streifenwagen“
Er zieht morgens die Uniform an,
blickt in den Spiegel – die Augen schwer vom Gestern.
Zwanzig Jahre im Dienst, zwanzig Jahre an der Front,
nicht in einem Krieg, sondern mitten unter Menschen.
Er erinnert sich, wie es einmal war –
Kinder winkten, wenn er durchs Viertel fuhr,
die Leute sagten „Danke“,
und man glaubte noch an Recht und Ordnung.
Doch das Lächeln wich den Blicken voll Hass,
Steine statt Hände, Worte wie Waffen.
Jede Kontrolle ein Risiko,
jeder Einsatz ein Schritt ins Ungewisse.
Er singt leise, wenn er allein im Wagen sitzt:
„Deutschland, was ist mit dir gescheh’n?
Ich wollt’ dich schützen, wollt’ dich versteh’n.
Doch du siehst in mir nur noch den Feind,
wo ich doch nur ein Mensch geblieben bin.“
Nachtschicht. Ein Funkspruch.
Schüsse in einem Wohnblock.
Er weiß, was das heißt –
doch er fährt. Wie immer. Ohne Zögern.
Er stürmt die Treppen hinauf,
die Pistole schwer in seiner Hand,
hinter jeder Tür ein Atem, ein Schatten, ein Schrei.
Dann ein Knall.
Stille.
Die Kollegen finden ihn später,
sein Funkgerät rauscht noch,
sein Lied läuft leise weiter aus dem Autoradio –
ein letzter Refrain in der Dunkelheit.
„Ich hab mein Leben für euch gegeben,
für Straßen, die sicher, für Nächte, die still.
Vielleicht wird man sich irgendwann erinnern –
dass auch ein Polizist nur lieben will.“
Und über der Stadt geht die Sonne auf,
wie jeden Tag –
doch ein Streifenwagen bleibt heute leer.