Aduatuca – Das Lied der Eifel
Ich sah den ersten Rauch im Tal,
als keiner schrieb von Jahreszahl.
Ich hörte Hämmer, hörte Stein,
und wusste: Nichts bleibt ewig mein.
Die Kelten kamen, frei und stolz,
sie bauten Wälle aus Erde und Holz.
Der Adler zog im Morgenlicht,
doch Herr über den Wald war er nicht.
Dann kam Rom mit festem Schritt,
der goldene Adler marschierte mit.
Straßen schnitten durch mein Land,
Stein auf Stein von Menschenhand.
Sie suchten einen starken Ort,
Aduatuca nannten sie ihn dort.
Doch meine Hügel schwiegen still,
weil Erde nur bewahrt, was sie will.
Die Jahre zogen weiter fort,
Burgen entstanden Ort für Ort.
Aus altem Holz wurde harter Stein,
doch keiner konnte ewig sein.
Die Glocken klangen überm Feld,
Kinder lachten in der Welt.
Der Schmied schlug Eisen, Wagen rollten,
genau wie es die Alten wollten.
Dann kamen Jahre schwer wie Blei,
und Hoffnung wurde manchem frei.
Fahnen flatterten überm Land,
mit dunklen Adlern darin gespannt.
Hoch auf den Höhen wuchs erneut
ein Bauwerk aus der damaligen Zeit.
Die Ordensburg stand groß und schwer,
und blickte weit ins Land umher.
Sie glaubte fest an ihre Macht,
doch Macht vergeht oft über Nacht.
Kein Stein entscheidet, wer besteht,
nur was ein Mensch daraus versteht.
Wieder marschierten viele Schuh,
und keiner hörte richtig zu.
Die Wälder sahen schweigend hin,
der Wind trug fern den Kanonendrinn.
Die Buchen kannten keinen Hass,
sie standen einfach, Jahr für Jahr.
Der Regen fiel auf Freund und Feind,
weil Wolken keinen Unterschied meinen.
Die Täler nahmen vieles auf,
Schritte, Stimmen, ihren Lauf.
Manches blieb für immer hier,
verborgen tief unter mir.
Dann wurde es auf einmal still,
so still, wie Erde schweigen will.
Nur Vögel kreisten hoch im Blau,
als wäre alles wieder Tau.
Heute wandern Menschen hier,
mit offenen Augen neben mir.
Sie suchen Mauern, alte Wälle,
verlassene Wege, dunkle Stelle.
Sie fragen nach Aduatuca,
nach Legionen, Jahr um Jahr.
Nach Burgen und vergangener Zeit,
nach Wahrheit und Beständigkeit.
Vielleicht liegt alles nah beisammen,
unter Wurzeln alter Tannen.
Vielleicht erzählt mein Boden mehr,
als jedes Buch je schrieb daher.
Der freie Adler zog zuerst,
der goldene folgte ihm als nächst.
Dann kamen dunkle Schatten groß,
doch keiner hielt die Zeit mehr fest.
Ich habe Krieger kommen sehen,
und wieder schweigend gehen.
Geblieben sind am Ende nur
der Wind, der Wald und meine Spur.
Wer heute durch die Eifel geht,
sieht mehr, wenn er auch still dort steht.
Denn jedes Blatt und jeder Stein
kann Teil derselben Geschichte sein.