Der Schönheit wahres Maß
Ha! Ihr herrenlosen Geister dieser Zeit,
Was suchet ihr im Reich der Eitelkeit?
Ihr schmäht des Weibes Fülle, rund und reich,
Und huldigt einem blassen Schattengleich!
Ho! Was wisst ihr von der Schönheit Pracht!
Ein Model, mager, ohne Saft und Sinn,
Zieht euch mit dürren Gliedern zu sich hin.
Ihr lästert spöttisch über Fleisch und Pracht,
Weil euch der Geist der wahren Kunst verflacht.
He! Schaut genauer hin!
Doch haltet ein! Vernehmt des Dichters Wort,
Ich weiche nicht von diesem heil’gen Ort!
Was ihr verkennt mit eurem fahlen Blick,
Das nenn’ ich Schöpfung, Meisterwerk und Glück.
Ha! Ihr Toren dieser Zeit!
Wo Geist und Körper sich in Rundung gatten,
Da weicht der Zweifel und die Welt der Schatten.
Ein Weib, geformt wie Hügel in der Nacht,
Hat mir der Götter kühnsten Traum gebracht!
Ho! Vernehmt es wohl!
In jenen Kurven, die ihr töricht schmäht,
Der Weltenseele tiefster Odem weht.
Es ist der Quell, aus dem das Leben fließt,
Wo sich die Schönheit ganz in Kunst ergießt.
Hey! Schaut genauer hin!
Ihr mögt nach euren magren Götzen jagen,
Ich will das Lob der vollen Pracht erfragen!
Denn wo die Rundung weich dem Blick sich beugt,
Wird meine Muse kühn und neugezeugt.
Ha! So spricht der Dichter!
Ein holdes Weib mit Kurven, voll und rein,
Soll meine Wonne und mein Himmel sein!
Und mag die Welt auch anders Urteil sprechen,
So wird mein Lob an ihrer Torheit brechen!