KILIAN:
Was weiß schon ein Bauer
Von Königen und Thron?
Was weiß schon ein Träumer
Von Macht und von Lohn?
Ich flick' die Brunnen,
Ich pflüge das Land,
Ich halt' meiner Mutter
Die zitternde Hand.
Doch tief in der Nacht,
Wenn der Wind ums Haus weht,
Ist da eine Stimme,
Die zu mir geht.
(Die Musik wird intensiver)
Sie flüstert: "Kilian,
Du bist nicht, was du scheinst.
Du bist nicht, was du glaubst.
Du bist nicht, was du weinst."
Was weiß schon ein Bauer?
Vielleicht mehr, als er denkt.
Vielleicht ist das Leben
Nur ein Traum, der sich lenkt.
(Er zieht die Kette unter dem Hemd hervor – das erste Mal, dass das Motiv erklingt: ein zartes, glockenartiges Thema.)
KILIAN (überrascht):
Dieses Zeichen...
Diese Kette...
Meine Mutter sagt,
Ich bin ein Findelkind.
In einer Sturmnacht
Vor dreiundzwanzig Jahren...
In feinste Seide gewickelt...
Mit diesem Siegel um den Hals.
(Das Orchester nimmt das Ketten-Motiv auf, dramatisch)
KILIAN:
Wer bin ich?
WER BIN ICH?
Bin ich, was ich denke?
Oder was man aus mir macht?
Bin ich Staub?
Oder bin ich...
Die erwachende Pracht?