Es ist nicht der große Knall, der alles zerstört.
Kein lauter Streit, kein endgültiges Wort, das einen Schlussstrich zieht.
Es ist dieses Schweigen, das sich zwischen alles legt.
Stunden vergehen, ohne ein Zeichen.
Tage ziehen vorbei, als würde ich gegen eine Wand schreiben.
Jede Nachricht von mir ist ehrlich gemeint, vorsichtig formuliert, manchmal sogar zurückhaltend – aus Angst, wieder etwas falsch zu machen.
Und trotzdem kommt nichts zurück.
Kein „Ich verstehe dich“.
Kein „Lass uns darüber reden“.
Nicht einmal ein kleines Zeichen, dass meine Worte überhaupt angekommen sind.
Nur Stille.
Und diese Stille ist laut.
Lauter als jeder Streit es je sein könnte.
Sie lässt Raum für Gedanken, die immer dunkler werden.
Für Zweifel, die sich langsam festsetzen.
War ich zu viel?
War ich zu ehrlich?
War es falsch, überhaupt etwas zu sagen?
Ich gehe jedes einzelne Wort von mir immer wieder durch,
als könnte ich irgendwo den Fehler finden,
der dieses Schweigen erklärt.
Aber es gibt keine Antwort.
Und wenn dann doch irgendwann etwas kommt,
ist es nicht das, worauf ich gehofft habe.
Keine Brücke, kein Versuch, mich zu verstehen.
Es sind Vorwürfe.
Worte, die plötzlich in eine ganz andere Richtung gehen.
Themen, die nichts mit dem zu tun haben, was ich eigentlich sagen wollte.
Es fühlt sich an, als würde das, was mich verletzt, einfach übergangen werden –
als hätte es nie existiert.
Ich versuche, zurückzuführen.
Zurück zu dem Punkt, an dem alles begonnen hat.
Zu dem, was ich eigentlich sagen wollte.
Zu dem Gefühl, das mich überhaupt erst dazu gebracht hat, mich zu öffnen.
Aber es zerfällt.
Alles zerfällt in Missverständnisse,
in Abwehr,
in Dinge, die schwerer werden, je länger man versucht, sie festzuhalten.
Und irgendwann merke ich,
dass ich nicht gegen dich rede,
sondern gegen etwas Unsichtbares.
Gegen eine Mauer, die keine Risse hat.
Keine Lücken, durch die etwas durchdringen könnte.
Was mich dabei am meisten trifft,
ist nicht einmal das, was gesagt wird.
Es ist das, was nie gesagt wird.
Kein Innehalten.
Kein Versuch, wirklich hinzuhören.
Kein Moment, in dem meine Gefühle einfach stehen dürfen,
ohne direkt zerlegt oder zurückgewiesen zu werden.
Als hätten sie keinen Platz.
Und genau das hinterlässt Spuren.
Nicht laut, nicht sofort sichtbar –
sondern leise, irgendwo tief drin.
Ein Gefühl, immer vorsichtiger zu werden.
Weniger zu sagen.
Mehr zu überlegen, ob es sich überhaupt lohnt, etwas auszusprechen,
wenn es am Ende doch wieder im Nichts verschwindet
oder gegen etwas prallt, das nichts damit zu tun hat.
Ich wollte nie Streit.
Ich wollte verstehen.
Und verstanden werden.
Aber zwischen all dem Schweigen
und den Worten, die an mir vorbeigehen,
verliert sich genau das.
Und übrig bleibt dieses schwere Gefühl,
dass es nicht die Wahrheit ist, die weh tut –
sondern das ständige Nicht-Gehört-Werden.