Part 1
Zwischen Tabletten, Blutdruck und Visite
Lächeln wir freundlich, obwohl ich fast am Limit liege
Heute Essen reichen, Betten frisch beziehen
Und zuhören, wenn Angehörige uns anschreien im Flur um sieben
„Mein Vater braucht jetzt Hilfe!“
Ja natürlich, doch wer ist denn überhaupt Ihr Vater bitte?
Dreißig Zimmer, tausend Namen in meinem Kopf
Und trotzdem geben wir hier jeden Tag alles nonstop
„Warum war noch keiner bei meinem Vater drin?“
Vielleicht, weil hier grad drei Notfälle gleichzeitig sind
Dann heißt es wieder:
„Warum sitzt er noch im Bett?“
Weil wir niemanden zwingen dürfen, auch wenn ihr das nicht checkt
Wenn er Nein sagt, bleibt’s ein Nein
Doch am Ende sind natürlich wieder wir schuld daran allein
Und trotzdem tragen wir die Stimmung irgendwie weiter
Zwischen Klingeln, Stress und viel zu wenig Zeit hier
Denn so kaputt wir manchmal sind
Verlier’n wir für Menschen trotzdem nicht das Gefühl in uns drin
Pre-Refrain
Denn Pflege ist mehr als nur Medikamente geben
Mehr als Waschen, Lagern, Dokumentationen schreiben
Wir tragen Angst, Schmerzen, Abschiede mit
Und bleiben trotzdem da, wenn andere längst gehen würden
Refrain
Wir laufen weiter
Auch wenn keiner wirklich sieht, wie viel hier auf uns liegt
Laufen weiter
Zwischen Schmerz und Hoffnung bis der nächste Morgen zieht
Und trotz all der harten Tage
Verlier’n wir unser Herz hier nicht
Denn Pflege heißt für uns Menschen tragen
Auch wenn daran manchmal etwas in uns zerbricht
Part 2
Wir sind Friseure, Köche, manchmal Psychologen
Physio beim Aufstehen, obwohl wir selber kaum noch laufen
Halten Hände, wenn jemand Angst vorm Einschlafen hat
Und tun stark, obwohl uns manches selber fertig macht
Zu wenig Leute für zu viele schwere Tage
Zu wenig Geld für das, was ich nach Hause trage
Denn manche Bilder nimmt man mit bis in den Schlaf
Und manche Worte treffen härter als man sagt
Infusion piept, der Perfusor schreit
Drei Klingeln gleichzeitig, keine Pause weit und breit
Und trotzdem setzt du dich kurz ans Bett
Weil Menschlichkeit in keinem Dienstplan steht
Zwischen Desinfektion, Übergaben und Visiten
Versuchen wir noch irgendwie Menschen zu sehen nicht nur Patientenakten
Und manchmal reicht ein leises „Danke“ schon
Damit du weitermachst, obwohl du eigentlich längst nicht mehr kannst
Refrain
Wir laufen weiter
Auch wenn keiner wirklich sieht, wie viel hier auf uns liegt
Laufen weiter
Zwischen Schmerz und Hoffnung bis der nächste Morgen zieht
Und trotz all der harten Tage
Verlier’n wir unser Herz hier nicht
Denn Pflege heißt für uns Menschen tragen
Auch wenn daran manchmal etwas in uns zerbricht
Outro
Morgen wieder Frühdienst
Wieder viel zu wenig Zeit für viel zu viele Menschen
Wieder versuchen, allem gerecht zu werden
Doch irgendwann muss sich etwas ändern
Denn Menschlichkeit darf nicht davon leben
Dass Pflegekräfte sich selbst kaputt machen