Ich bin ein verdammtes Paradoxon: Einerseits ein ängstlicher Mensch, andererseits ein Draufgänger, der ständig die Grenzen austestet – ob das klug ist oder nicht, war mir oft scheißegal. Aber eine Sache zieht sich durch mein Leben: Ich hab Angst vor Zurückweisung. Deswegen behalte ich oft das, was ich wirklich denke, für mich, obwohl es in mir brodelt. Es frisst mich manchmal regelrecht auf, weil ich dieses Bedürfnis hab, einfach alles rauszuhauen – aber dann mach ich’s doch nicht.
Mit Tieren komme ich übrigens besser klar als mit den meisten Menschen. Die meisten Tiere mag ich – außer weibliche Mücken. Diese nervigen Viecher summen dumm rum, und wenn sie nicht summen, saugen sie einem das Blut aus. Mit Menschen hab ich’s ähnlich: Ich mag nicht jeden. Vor allem nicht die, die nur an sich selbst denken, nach dem Motto „Nach mir die Sintflut“. Aber weißt du was? „Nach mir die Sintflut“ ist kein verdammter Punkrock. Punk heißt, für etwas zu stehen. Für Gemeinschaft, für Aufrichtigkeit. Wer nur sich selbst sieht, hat nichts verstanden.
„Der Alkohol und ich – ein beschissener Deal“
Ich hab als Teenager angefangen zu saufen. Und ich hab nicht nur ein bisschen getrunken – ich hab richtig durchgesoffen, fast mein ganzes Leben bis in die späten Dreißiger. Warum? Weil ich Angst hatte. Angst vor der Welt, vor den Menschen, vor mir selbst. Der Alkohol war meine Tarnung, meine Flucht, mein Pflaster für all die Scheiße, die in mir gebrodelt hat. Aber weißt du was? Alkohol ist nichts als ’ne Lüge. Er macht dich blind, macht dich weich, macht dich zu jemandem, der du eigentlich gar nicht bist.
Als Kind hab ich schon genug Dreck gefressen. Meine Eltern haben sich getrennt, und ich war zu jung, um zu raffen, dass es nicht meine Schuld war. Trotzdem hab ich mir die Schuld gegeben – völliger Bullshit, aber so war’s. Dann kam die Gasexplosion. Zwölf Jahre alt war ich, und plötzlich ist alles um mich herum in die Luft geflogen. Ein Freund von mir hat’s nicht überlebt. Seitdem trage ich ’ne Riesenangst mit mir rum – Angst, Leute zu verlieren, die mir was bedeuten.
Der Alkohol hat mir geholfen, diese Angst zu betäuben. Oder sagen wir besser: Er hat mir das Gefühl gegeben, dass ich sie betäuben kann. In Wahrheit hat er alles nur schlimmer gemacht. Ich hab gesoffen, um die Realität zu verdrängen. Um nicht drüber nachzudenken, wie kaputt diese Welt ist – Leid, Armut, Krankheiten, Tod. Das alles hat mich zerfressen.
Ich hab auch gesoffen, weil ich Schiss hatte, meine Freunde und meine Familie zu verlieren. Aber weißt du, was richtig abgefuckt ist? Ich hab Freunde genau deswegen verloren. Sie haben sich totgesoffen. Und dann war da noch diese Freundin, die ermordet wurde. Dieser Scheiß frisst mich auf, jeden Tag.
Ich vermisse meinen Vater, der allein gestorben ist, und ich vermisse meine Hündin Kobold, die 17 Jahre an meiner Seite war und an meinem 37. Geburtstag gestorben ist. Dieser Schmerz sitzt tief. Manchmal so tief, dass ich kaum atmen kann.