Vrenelisgärtli
[Intro – ruhig, melancholisch]
S’Vrenelisgärtli luegt abe uf üses Tal,
seit nüt…
und het doch scho Generatione cho und gah gseh.
Vielleicht würd’s üs öppis säge,
wenn mir wieder würded lose.
[Verse 1]
Im Dorf kennt dr Alt no jede Name, jedi Gass,
dr Jung kennt jedi Welt – doch fragt sich, öb er da no Platz het.
Dr eint seit: „Früehner het mer zämeghalte“,
dr ander: „Früehner isch verbi, mir chönd nöd alles bhalte.“
Und irgendwo dazwüsche liegt üses Glarnerland,
mit Tradition i dr Brust und dr Zukunft i dr Hand.
Gemeinde müend spare, jede Franke wird zweimal dreit,
doch wer entscheidet eigentlich, was üsi Heimat wert sii darf mit dr Ziit?
S’Schuelhuus brucht Geld, dr Verein brucht Ruum,
dr Bus söll öfter fahre, doch das bliibt mängisch en Traum.
Wohnige werded knapp, dr Boden isch begrenzt,
und jede neui Idee wird zuerst am alte Bild gemesse.
[Hook]
Vrenelisgärtli – was gsehsch du vo det obe?
Gsehsch es Tal voller Zukunft oder eis voller Sorge?
Gsehsch Jung gegen Alt, links gegen rechts,
oder nur Glarner, wo vergessed hend, dass mer mitenand redt?
Vrenelisgärtli – wenn du rede chönntsch hüt,
würsch säge: „Hebed fescht, was eu verbindet, nöd was eu trennt.“
Denn kei Gemeinde, kei Partei und kei Generation
baut Zukunft elei – Heimat entsteht zäme scho.
[Verse 2]
A dr Versammlig wird diskutiert, mängisch hart, mängisch lut,
dr eint will Veränderig, dr ander seit: „So wie’s isch, isch guet.“
Doch Demokratie heisst nöd, dass immer mini Site gwünnt,
sondern dass mer nach em Abstimme trotzdem mitenand es Bierli trinkt.
Mir reded über Strasse, Verkehr und Energie,
über Wachstum, Arbeitsplätz und was Natur verträgt – oder nit.
Über Stüüre, über Bauzone, über jedes neue Projekt,
und schnell wird us ere Sachfrag plötzlich mangelnde Respekt.
Dr Rentner fragt: „Was wird us dem Dorf, woni ufbaut ha?“
Dr Zwänzgjährig fragt: „Gits für mich überhaupt no öppis da?“
Und beidi hend Recht, wenn mer ehrlich ane luegt:
Zukunft ohni Wurzle fällt – doch nur Wurzle sind nöd gnueg.
[Verse 3 – persönlicher]
Vielleicht müend mir wieder lerne, nöd nur Schlagziile z’teile,
nöd jede andere Meinig grad i richtig oder falsch z’verteile.
Dr Bauer, dr Büezer, d’Lehrerin, dr Unternehmer im Betrieb,
alli gsehnd es anders – und genau das isch Demokratie.
Was bringt üs s’schönste Tal, wenn dr Respekt verschwindt?
Was bringt üs Wohlstand, wenn kei Jungä sini Zukunft da drin findt?
Was bringt Tradition, wenn mer sie nur no als Argument benutzt?
Und was bringt Fortschritt, wenn er alles Alte vor sich wegputzt?
Viellicht isch Politik nöd Bern, nöd Fernseh, nöd irgend eis Gesicht.
Vielleicht fangt Politik genau vor üsere Huustüre aa –
wenn dr Nachbar anders abstimmt
und mer ihm trotzdem no „Guete Morge“ seit.
[Bridge – nur Piano]
Und s’Vrenelisgärtli schwiigt.
Es het Grosseltere gseh,
wo für wenig Geld hart gschaffet hend.
Es gseht Chinder,
wo hüt mit andere Träum gross werded.
Und vielleicht weiss dr Berg öppis,
wo mir immer wieder vergessed:
Dänk Nache!