(Liturgie der Schatten)
(Strophe 1)
Im Kerzenschein aus kaltem Blau
zeichnest du dein Reich genau.
Ein Kreis aus Salz, ein schwarzes Wort,
du bannst die Zweifel an den Ort.
Schattenwesen steh’n Spalier,
flüstern leise nur von dir.
Sie tragen dir die Krone nach,
geboren aus verbrannten Streit.
Du nimmst die Gaben fremder Hand,
nennst es Schicksal, nennst es Stand.
Doch wenn ein Herz nach Antwort ruft,
erstickst du’s still in Rauch und Luft.
(Pre-Chorus)
„So ist die Welt“, sprichst du im Chor
mit deinem tausendstimm’gen Ohr.
Und jede andere Wirklichkeit
verfault in deiner Dunkelheit.
(Refrain)
In deiner Liturgie aus Ich
gibt es kein Du, kein Wir, kein Licht.
Nur Masken ohne Angesicht
verbeugen sich vor deinem Gericht.
Wenn ich von meiner Wahrheit sprech,
zerschneidest du sie – Stück für Stück.
Du nennst mich Lüge, nennst mich Wahn,
bis selbst mein Spiegel zweifelt.
(Strophe 2)
Du wirfst mit Flüchen aus Beton,
laut wie ein brennender Dämon.
Deine Stimme – ein Sturm aus Glas,
der jedes Widerwort zerfrisst.
Zuhören ist ein fremdes Ritual,
für dich nur Schwäche, nur eine Qual.
Du opferst Nähe, opferst Zeit
für deine eigne Ewigkeit.
Schattenwesen nähren dich,
wachsen groß durch dein Gesicht.
Doch hinter all dem schwarzen Kleid
steht nur verlorne Einsamkeit.
(Bridge flüsternd → eruptiv)
Und wenn der Kreis im Staub zerbricht,
wenn keine Kerze für dich spricht,
wenn selbst die Schatten weiterzieh’n –
wer bleibt dann noch, um vor Dir zu knien?
Ein Thron aus Knochen, kalt und leer,
kein Echo antwortet mehr.
(Letzter Refrain wuchtig)
Deine Liturgie zerfällt im Wind,
weil Schatten keine Götter sind.
Dein Reich aus Rauch, dein schwarzer Schwur –
war nie die Wahrheit, nur Zensur.
Ich tret aus deinem Bann heraus,
lösche still dein Kerzenhaus.
Denn meine Stimme lebt in mir –
kein Schattenwesen herrscht mehr hier.