[Intro – gesprochen]
Niemand verlässt freiwillig sein Zuhause,
wenn es noch ein Zuhause ist.
Man geht nicht, weil man will,
sondern weil man leben will.
[Strophe 1]
Gestern stand unser Tisch noch an der Wand,
heute liegt nur grauer Staub auf dem Land.
Sirenen schrien, der Himmel wurde rot,
auf den Straßen Hunger, Angst und Tod.
Meine Mutter nahm ein Foto und ein Kleid,
mein Vater sagte leise: „Es ist Zeit.“
Kein Abschied, nur gerannt,
während hinter uns die Häuser verbrannt.
Mein kleiner Bruder fragte: „Kommen wir zurück?“
Was sagt man einem Kind über zerbrochenes Glück?
Ich sagte: „Bald“, obwohl ich’s selbst nicht glaubte,
während der Rauch uns unsre Heimat raubte.
[Pre-Hook]
Ich wollte niemals fort, ich wollte dort nur leben,
doch der Krieg hat uns nur zwei Wege gegeben:
Bleiben und sterben oder gehen –
rennen und nicht nach hinten sehen.
[Refrain]
Ich flieh nicht vor der Heimat – ich flieh um zu leben,
hab alles verloren, doch die Hoffnung nicht aufgegeben.
Hinter mir die Angst, vor mir unbekanntes Land,
fremde Sprache, kein Geld in der Hand.
Bin ich hier fremd oder darf ich hier sein?
Find ich offene Türen oder bleib ich allein?
Ich brauch keinen Palast, keinen Reichtum, kein Geld –
nur einen sicheren Ort und ein Stück heile Welt.
[Strophe 2]
Tage ohne Essen, Nächte ohne Schlaf,
jeder Schritt nach vorne forderte neue Kraft.
Grenzen aus Stacheldraht, Wege voller Schlamm,
meine Mutter wurde schwächer, doch wir kamen voran.
Dann das Meer – schwarz, kalt und ohne Licht,
viel zu kleines Boot, doch eine Wahl gab es nicht.
Jede Welle ein Urteil, jeder Windstoß wie ein Schuss,
ich betete zu Gott, obwohl ich zweifeln muss.
Vielleicht wartet Rettung hinterm Horizont,
vielleicht nur ein Schild: „Ihr seid nicht willkommen.“
Wir haben alles riskiert, weil uns nichts mehr blieb –
kein Mensch steigt in ein Boot, wenn sein Zuhause ihn noch liebt.
[Refrain – kurz]
Ich flieh nicht vor der Heimat – ich flieh um zu leben,
hab die Heimat verloren, doch die Hoffnung nicht aufgegeben.
Hinter mir das Feuer, vor mir unbekanntes Land,
keine Worte auf den Lippen, nur ein Foto in der Hand.
[Strophe 3]
Manche sehen nur Gefahr, doch keiner sieht,
wer ich vor dem Krieg war und was von mir blieb.
Ich hatte Arbeit, Freunde, Träume und ein Ziel –
heute bin ich eine Nummer in einem fremden Asyl.
Die Nächte sind nun stiller, doch der Krieg bleibt in mir,
bei jedem lauten Knall steht er wieder vor der Tür.
Doch mein Bruder lernt die Worte, die ich noch nicht versteh,
und zum ersten Mal weiß ich, wohin ich geh.
[Bridge]
Ich will lernen, arbeiten, lieben und leben.
Reich mir deine Hand, stärker als jeder Verstand.
Vielleicht wird die Fremde irgendwann Heimatland.
[Letzter Refrain]
Ich floh nicht vor der Heimat – ich floh um zu leben,
hab alles verloren, doch mich selbst nicht aufgegeben.
Frag nicht: „Woher?“, sondern sieh, wer ich bin.
Geschichte und Zukunft in mir drin.
Kein Palast, kein Reichtum, kein Geld –
nur Frieden, eine Chance und ein Stück heile Welt.