Ich war ein Kind in einem Haus ohne Sprache
Meine Mutter verstand mich, doch nicht diese Weltlage
Briefe vom Amt wie verschlossene Türen
Ich musste schon früh für zwei Leben funktionieren
Mein Vater ging leise, kein Abschied, kein Wort
Ein leerer Platz am Tisch, seitdem mein ständiger Ort
Ich fragte mich oft: War ich nicht genug?
Wenn dein eigener Vater dich nicht halten kann, tut das tief im Blut
In der Schule war ich Ziel, kein Mensch
Lachen hinterm Rücken, jeder Blick wie ein Brennglas brennt
Mobbing war Alltag, Angst war mein Freund
Ich lernte zu verschwinden, damit man mich nicht meint
Ich kam nach Hause mit einem Kopf voller Krieg
Kein Ort zum Reden, nur Stille, die siegt
Ich schlief mit Gedanken, die mich auffraßen
Und wachte auf mit dem Wunsch, nicht da zu sein, um zu atmen
Sie sagen „reiß dich zusammen“, doch wissen nicht wie
Wenn dein Kopf jeden Tag gegen dich zieht
Depression fühlt sich nicht an wie Traurigkeit
Eher wie Leere, die schreit, ohne Laut, jederzeit
Ich hab mit dem Tod geredet, nachts im Stillen
Nicht weil ich sterben wollt, sondern weil ich Ruhe will
Weil ich müde war vom Kämpfen, vom Starksein, vom Tun
Wenn keiner dich sieht, wozu noch ruh’n?
Angst läuft neben mir wie ein Schatten
Selbst Glück macht mir Sorgen, ich kann ihm nicht trauen
Ich bin allein groß geworden, allein geblieben
Zu früh erwachsen, zu spät geliebt worden, um es zu lieben
Meine Mutter kämpfte, doch war selbst verloren
Zwischen Sprachen, Systemen, jeden Tag neu geboren
Ich war Übersetzer, Beschützer, der Kleine, der Große
Kein Platz für mein Kindsein, nur Pflichten und Drohkulisse
Ich bin nicht kaputt, aber schwer beschädigt
Und ja, mein Kopf ist krank, doch er hat mich gerettet
Denn trotz allem atme ich noch hier
Vielleicht nicht heil, aber noch immer mir
Wenn du das hörst und dich wiedererkennst
Dann weißt du jetzt: Du bist nicht falsch, du bist verletzt
Man kann allein aufwachsen und trotzdem besteh’n
Auch wenn manche Narben nie ganz vergehn