[Strophe 1]
Ich fall' in Zeitlupe, die Wände kommen näher
Herz schlägt wie kaputter Bass, zu schnell, zu leer
Gedanken wie Glasscherben tanzen Ringelreihen
Jede Drehung schneidet tiefer – ich will nicht mehr schreien
Der Spiegel lügt mich an mit fremden Augen
Sagt: „Du bist schon lange nicht mehr hier zuhaus“
Ich zähle Kratzer an der Seele wie Kerben
Jede einzelne ein Datum, an dem ich fast zerbrach
[Pre-Refrain]
Und trotzdem
irgendwo tief unten
glimmt noch was
das sich nicht löschen lässt
[Refrain]
Ich fall' tief – ja, verdammt tief
Aber ich hab' immer noch Knochen
Immer noch Zähne
Immer noch diesen beschissenen Willen
der sich weigert zu krepieren
Ich fall' tief – der Boden ist Beton
Doch ich schlag' die Fäuste blutig
bis irgendwas in mir
wieder anfängt zu schlagen
wie ein Mensch
[Strophe 2]
Die Tabletten sind wie Ketten und wie Rettungsring zugleich
Manche Tage schluck' ich Hoffnung, manche nur Chemie
Die Diagnosen stapeln sich wie Rechnungen im Briefkasten
Jede trägt 'nen Stempel: „chronisch – unheilbar – sieh's ein“
Freunde werden leiser, manche drehen sich weg
„Du musst halt mal positiv denken“ – danke, Arschloch, echt
Doch in manchen Nächten ruf' ich trotzdem an
und jemand hebt ab – das allein hält mich manchmal am Leben
[Bridge]
Es gibt keine Abkürzung
Kein finaler Bosskampf mit epischer Musik
Nur Wiederholung
Wieder aufstehn
Wieder Zähne zeigen
Wieder atmen, obwohl die Luft wie Blei schmeckt
[Refrain – etwas lauter, rauer]
Ich fall' tief – scheiß drauf, wie tief
Aber ich kriech' zurück ans Licht mit kaputten Nägeln
Blut im Mund, Dreck im Gesicht
und diesem Irrsinn im Kopf, der plötzlich schreit:
„Noch nicht! Noch lange nicht!“
[Strophe 3 – ruhiger, fast geflüstert]
Manchmal ist Erfolg nur
dass ich heute Zähne geputzt hab
dass ich das Bett verlassen hab
dass ich „nein“ gesagt hab zu dem Impuls
der mich aus dem Fenster schmeißen wollte
Manchmal ist Gewinnen
einfach noch da sein
wenn alle anderen Stimmen längst gegangen sind
[letzter Refrain – mit ganzer Kraft]
Ich fall' tief – ja, immer wieder tief
Doch der Weg nach oben
besteht aus genau diesen beschissenen kleinen Schritten
die keiner sieht
die keiner klatscht
die nur ich spür'
Der Schlüssel heißt nicht Talent
nicht Glück
nicht die richtige Therapie allein
Der Schlüssel heißt: Ich will.
Und zwar mehr als alles andere auf dieser beschissenen Welt
will ich leben –
will ich bleiben –
will ich werden.
[Outro – nur noch Stimme & leises Atmen]
Also fall' ruhig tief, mein Herz
Ich nehm' Anlauf im freien Fall
Und irgendwann
irgendwann
schlag' ich die Flügel auf
…auch wenn sie zerfetzt sind.