Der Tag verstummt.
Die Nacht erwacht.
Ein Schrei ertönt
um Mitternacht.
Hinter sieben Bergen, tief im schwarzen Wald,
liegt das Moos erfroren, und die Luft ist eisig kalt.
Zwischen krummen Ästen hängt der Nebel dicht,
etwas folgt leis deinen Schritten – doch du siehst es nicht.
Ein Haus aus Brot und Zucker lockt dich in die Nacht,
hinter seinen Fenstern hält die alte Hexe Wacht.
Eine Spindel glänzt im blassen Schein,
ein einziger Stich – du schläfst für immer ein.
Der Wolf trägt falsche Kleider, kennt dich und dein Gesicht,
seine Zähne lächeln – doch seine Augen tun es nicht.
Hörst du das Flüstern zwischen den Bäumen?
Hörst du, wie jemand deinen Namen spricht?
Die alten Märchen kriechen in die Träume,
denn ihre Angst scheut nur das Tageslicht.
Denn jedes Märchen trägt ein dunkles Herz,
genährt von alter Angst und tiefem Schmerz.
Wo die Wahrheit stirbt und die Furcht beginnt,
trägt deinen letzten Schrei der kalte Wind.
Wenn das Buch sich öffnet, bricht die Dunkelheit herein –
Schaudern . . . Schrei’n. **Schrei'n**
Der Spiegel an der Wand kennt jede deiner Lügen,
er zeigt dir dein Gesicht – du kannst ihn nicht betrügen.
Schönheit wird zu Asche, Neid zerfrisst die Zeit,
und hinter roten Lippen lauert längst das alte Leid.
Die Monster tragen Masken, ihre Hände wirken rein,
sie bitten dich zu lächeln und laden freundlich ein.
Vielleicht war selbst die Hexe einmal jung und nicht allein,
bis Kälte in ihr Herz kroch – kalt und hart wie Felsgestein.
Hörst du die Dielen unter deinen Füßen?
Spürst du den Atem dicht an deinem Hals?
Wenn dein Verstand den Sinnen nicht mehr traut,
bleiben kalte Schauer – bleiben Gänsehaut.
Denn jedes Märchen trägt ein dunkles Herz,
genährt von alter Angst und tiefem Schmerz.
Wo die Wahrheit stirbt und die Furcht beginnt,
trägt deinen letzten Schrei der kalte Wind.
Wenn das Buch sich öffnet, bricht die Dunkelheit herein –
Schaudern . . . Schrei’n. **Schrei'n**
Schließ nicht die Augen.
Gib gut acht.
Etwas ist ganz nah
in dieser Nacht.
Das alte Holz beginnt zu knarren,
der Mond verliert sein Licht.
Im Wald ruft eine Stimme –
doch folge ihr besser nicht.
**Lauf!**
Lauf, solange deine Füße dich noch tragen.
Lauf, bevor die Glocken Mitternacht schlagen.
**Lauf!**
Kein König kommt.
Kein Held erscheint.
Kein Zauberspruch
ist so, wie er scheint.
Denn jedes Märchen trägt ein dunkles Herz,
ein Stück von deiner Seele, ein Vermächtnis aus Schmerz.
Wo die Hoffnung stirbt und die Finsternis beginnt,
ruft etwas deinen Namen durch den kalten Wind.
Wenn die letzte Seite fällt, bricht die Dunkelheit herein –
Schaudern . . . Schrei’n. **Schrei'n**
Schrei’n!
Schrei’n!
Doch niemand hört dich.
Die Worte verblassen.
Das Buch schließt sich sacht.
Doch etwas blieb zurück
aus dieser Nacht
Der Morgen kommt.
Der Schatten bleibt.
Dein Name steht in alter Rinde,
" Bis ich Dich finde . . ."
Lauf, solange deine Füße dich noch tragen.
Lauf, bevor die Glocken Mitternacht schlagen.
**Lauf!** Lauf - Lauf . . . LAUF!